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Hassencamp, Oliver
Auf Schreckenstein geht's lustig zu

Seit über 40 Jahren begeistern Oliver Hassencamps Internatgeschichten Millionen von Leserinnen und Lesern. Nachdem sie fünf Jahre vom Markt verschwunden waren, sind sie jetzt endlich wieder lieferbar, erstmals als Taschenbuchausgabe. Der Text wurde behutsam modernisiert und die Bände neu illustriert. Diese neue Ausgabe wird viele neue Leserinnen und Leser zu echten Schreckensteinern machen! Burg Schreckenstein und Schloss Rosenfels - zwei Schulen, mal gegeneinander, mal miteinander. Die Jungen auf Burg Schreckenstein genießen die liberalen Erziehungsmethoden und lassen keine Gelegenheit aus, Streiche auszuhecken. Manchmal sind die Mädchen des recht streng geführten Schloss Rosenfels Zielscheibe ihrer Aktivitäten, mal sind sie aber auch die Verbündeten.

EAN:
978-3-570-20802-1
Zusätzliche Informationen
ab 10 J.. Bd.2 KT Omnibus TB bei Bertelsmann; 2000. 122 S. m. Illustr. v. Silvia Christoph; 141g; deutsch
Leseprobe Ein Abenteuer mit ungeahnten Folgen Die Schule auf der alten Ritterburg Schreckenstein bestand nun schon seit einem Jahr. Eigentlich war es nur eine Notlösung gewesen, denn die Schulraumnot in Neustadt war ohne Beispiel, und deshalb war ein Teil der Schule auf der Burg Schreckenstein untergebracht worden. Wie hatten sich die Jungen auf der Ritterburg verändert! Wenn ihnen früher einer gesagt hätte, sie würden nicht mehr abschreiben, so hätten sie nur mitleidig gelächelt, mit dem Finger an die Schläfe getippt und geantwortet: »Du bist wohl nicht ganz dicht!« Und jetzt schrieben sie tatsächlich nicht mehr ab. Wie es dazu gekommen war, wusste keiner genau. Es musste an der Burg liegen. Die Jungen hatten sich den früheren Bewohnern angepasst und waren Ritter geworden, ehrliche und faire Kerle, die für ihre Taten und Untaten einstanden. Dampfwalze war immer noch der Stärkste und der Größte. Aber den Kugelstoßrekord hatte er nicht mehr, seit... ja, seit damals§09§ dieser Neue, dieser Stephan Breuer, gekommen war. Scheinbar nur ein Angebermit einem Akkordeon und einem Tonbandgerät. Aber es steckte viel mehr in ihm und bald wurde er einer der angesehensten Ritter auf der Burg. Sein bester Freund war und blieb Ottokar, der ständig seine eigenen Essrekorde überbot. Beide ergänzten sich großartig. Stephan hatte Köpfchen und Ottokar war der Praktiker. Heute waren beide zur Geburtstagsfeier ihres Lehrers, Dr.Waldmann, eingeladen. Das war wohl ehrenvoll, aber nach allem, was sie miteinander erlebt hatten, war es eigentlich auch eine Selbstverständlichkeit. Und so ungleich das Kleeblatt - Dr.Waldmann mit seiner Tochter Sonja, Stephan und sein Freund Ottokar - auch sein mochte, es hielt zusammen. Schließlich war es ihnen zu danken, dass die Schule auf der Burg überhaupt noch bestand. Ottokar musste das wohl gerade besonders stark empfinden, denn er schnitt sich noch ein sechstes Stück Torte ab. Nachdem er das Stück verdrückt hatte, sagte er: »Ja, das waren noch Zeiten!«, als läge seine Schulzeit mindestens schon zwanzig Jahre zurück. Dann säbelte er sich, ohne weiter zu fragen, das siebte Stück von Dr.Waldmanns Torte ab. »Wohl bekomm's!«, bemerkte Sonja anzüglich und kam damit ihrem Vater zuvor. Doch Ottokar war nicht auf den Mund gefallen. »Ich muss essen, sonst langweilen sich meine Zähne!«, gab er zurück. Stephan fragte: »Was machst du eigentlich jetzt, Sonja?« »Ich habe eine Stelle als Musiklehrerin.« »Moderne Musik?« »Moderne und klassische - in einem Mädcheninternat.« »In einem Mädcheninternat?« Stephan verzog den Mund. »Ja, hier direkt gegenüber, am anderen Seeufer.« »Du in einem Mädcheninternat? Das ist ja wohl das Allerletzte!« Ottokar starrte sie verblüfft an. Dr.Waldmann zog es vor, sich nicht in diese Unterhaltung einzumischen, und schaute auf die Uhr. »Kinder, es ist ja schon zehn! Da haben wir uns aber ganz schön verquatscht!« Und zu seiner Tochter gewandt: »Wie kommst du überhaupt nach Hause?« »Der letzte Omnibus ging 8.15 Uhr ab Dreitannen«, gab Sonja kleinlaut zurück. Stephan und Ottokar sahen einander an. Beide hatten denselben Gedanken. »Wir werden dich hinüberrudern!«, sagten sie fast gleichzeitig. »Super«, sagte Sonja erleichtert. »Ich habe gar nicht daran gedacht, dass ihr jetzt Boote habt.« Dabei sah sie ihren Vater fragend an. »Na schön.« Er nickte, was ein großer Vertrauensbeweis war. »Aber macht mir keine Dummheiten und kommt sofort zurück. Ich kann es sonst vor Direktor Meyer nicht verantworten.« »Auf uns kann man sich verlassen, das wissen Sie doch«, antwortete Stephan und stand auf. Ein Kuss zwischen Vater und Tochter und ein herzliches »Dankeschön für die Torte« von Stephan und Ottokar - und schon schlichen sie den Hang zum Bootssteg hinab. Ottokar machte ein Boot los und Stephan half Sonja beim Einsteigen. »Ihr seid richtige Kavaliere«, sagte Sonja, als sie in den pechschwarzen See hinausstachen.
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