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Breckwoldt, Michael
Kleines Lexikon der Gartenirrtümer

Rostige Nägel färben Hortensienblüten blau. Schattenrasen ist ideal für Gartenflächen mit wenig Sonne. Rote Beete sind immer rot. Sträucher müssen im Herbst geschnitten werden, damit sie im Frühjahr blühen. Alles richtig? Nein, sagt Gartenexperte Michael Breckwoldt. Auch dass alte Rosensorten robuster sind als moderne Züchtungen, Bauerngärten ihr Vorbild in den Klostergärten des Mittelalters haben oder Pflanzen nicht miteinander kommunizieren können, gehört ins Reich der Legendenbildung. Michael Breckwoldt verblüfft mit seinem Wissen nicht nur Laien, sondern auch erfahrene Praktiker. Ein Buch für alle Garten-, Balkon- und Terrassenbesitzer, das nützliche Tipps, Anekdoten und Kulturgeschichtliches auf höchst unterhaltsame Weise miteinander verbindet.

EAN:
978-3-8218-6516-4
Zusätzliche Informationen
GEB Eichborn; 2010. 223 S. 22 cm; 325g; deutsch
Leseprobe WIRD DER APFELBAUM EINMAL KRÄFTIG BESCHNITTEN, SPART MAN SICH DEN SCHNITT IN DEN FOLGEJAHREN Mit dem Schneiden des Apfelbaums ist es ein wenig so wie mit dem Renovieren eines Wohnzimmers. Man schleicht lange darum herum, schiebt wichtige Arbeiten vor und kommt schließlich zu dem radikalen Entschluss: Wenn es schon getan werden muss, dann richtig. Bezogen auf das Zimmer bedeutet das: Es kommt nicht nur frische Farbe an die Wand, es werden gleich Teppiche und Möbel erneuert. Damit für die nächsten Jahre Ruh" ist! Für den Apfelbaum bedeutet es meistens: Es wird viel zu viel von dem Gerüst seiner Äste weggeschnitten - zumindest, wenn sich ein Laie ans Werk macht. Der versierte Baumkundler, der das im Nachhinein sieht, rauft sich die Haare und denkt: Wird der Baum je wieder eine schöne Krone ausbilden und üppig Früchte tragen' Das Bild einer Analogie hilft am besten weiter, um zu verstehen, warum solche Eingriffe behutsam durchgeführt werden müssen. Das unterirdische Wurzelgeflecht eines ausgewachsenen Apfelbaums macht etwa das gleiche Volumen aus wie seine ausgebreitete Krone. Es besteht zwischen beiden Seiten ein Gleichgewicht, das für die optimale Ernährung des Baums nötig ist. Wurden nun viele Äste gekappt, pumpen die Wurzeln weiterhin annähernd die gleichen Saftströme in die Krone. Dieses Überangebot hat einen starken neuen Austrieb zur Folge. In der Krone sprießen viele junge Äste, die das reduzierte Volumen innerhalb eines Jahres wieder ausgleichen. Dem Baum ergeht es dabei allerdings ähnlich wie dem Burschen im Märchen, der einen Klumpen Gold zuletzt gegen einen Mühlstein eintauscht. Denn dem radikalen Schnitt fällt viel wertvolles Fruchtholz zum Opfer. Dafür wachsen dem Baum nun viele wertlose Wasserschosse. "Nach dem Schnitt treibt ein Baum neu aus. Die Stärke des Neuaustriebs hängt von der Schnittstärke und dem Schnittzeitpunkt ab. Je schärfer man einen Baum zurückschneidet, desto stärker treibt er im folgenden Frühjahr", so§09§ bringen es die beiden Obstbau-Experten Bernd Schulz und Gerd Großmann auf den Punkt. Nimmt man dann noch die Triebe nicht auf allen Seiten gleichmäßig weg, wird sich die Krone künftig ungleichmäßig entwickeln. Das Schneiden von Apfelbäumen ist trotzdem kein Buch mit sieben Siegeln. Im Gegenteil: Es ist gar nicht so schwer, wenn man einige wenige Regeln beherzigt. Zunächst muss man wissen, dass Blüten und Früchte überwiegend an sogenannten Kurztrieben entstehen, die seitlich von den Ästen wie kleine Spieße abstehen. Diese gilt es zu erhalten. Eine bestehende Krone muss ohnehin nicht stark beschnitten, sondern nur etwas ausgelichtet werden. Es werden quer wachsende und trockene Zweige herausgenommen. Vereinzelt sollte man auch greise Triebe verjüngen. Dazu schneidet man solch einen alten Trieb dort ab, wo ein junger kräftiger Neutrieb seitlich abzweigt. Gut ist, wenn dieser möglichst waagerecht wächst. Dann bilden sich dort schnell neue Blütenknospen. Bei all diesen Eingriffen sollte man darauf achten, dass die Form der Krone erhalten bleibt. Das gelingt, wenn man ihr regelmäßig jedes Jahr nur etwas von ihren alten Trieben und nicht ganz viele auf einmal nimmt.
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